Das Iggelheimer Weckvermächtnis

Zweierlei Tatsachen über das „Iggelheimer Weckvermächtnis“ werden wohl ewig im Dunkel der Geschichte bleiben. Zum einen, wer die Stifterin des Iggelheimer Weckackers war, zum anderen, wann die Mär von den „zwei Schwestern“, die der Gemeinde den Acker vermacht haben sollen, aufkam. Die Version von den „zwei Schwestern“, erstmals von Christian Zehfuß 1904 publiziert1, von Gottlieb Wenz mit einer ganz gravierenden Abweichung hinsichtlich des Pachtvertrages 1925 ohne Quellenangabe in seiner „Geschichte der Pflege Haßloch“2 wiedergegeben und seither recht verwirrend tradiert2a, hat sich durch neuere Nachforschungen ebenso als unhaltbar erwiesen wie die „Tatsache“, dass der älteste Pachtvertrag des Weckackers von 1687 verschollen sei2b, denn dieser existiert, wenn auch nur als  „Copia“ aus dem Jahre 17833. Schon Thelemann hat in seiner Chronik4 von einer „ledig verstorbene[n] Weibsperson“ berichtet, die der „Kirchengemeinde“ einen Acker vermacht haben soll. Unerwähnt bleibt bei ihm allerdings der älteste Pachtvertrag, den Zehfuß auf das Jahr 16674a, Wenz auf 16874b datiert hat. Es ist den Streitereien zwischen dem reformierten Pfarrer Johann Nicolaus Siebein5 und der politischen Gemeinde um die Eigentumsrechte an dem Acker – und natürlich den dazu erhaltenen Gerichtsakten aus dem Jahre 1783 zu verdanken – dass die nachstehenden historischen Fakten Klarheit verschaffen können.6

 

Es dürfte wohl kaum mehr zu ermitteln sein, wann diese „Weckstiftung“ in Iggelheim ins Leben gerufen wurde. Geht man von der Tatsache, dass die reformierte Kirche lange Jahre Eigentümerin des Ackers war und in der Kirche auch die „Weck“ ausgeteilt wurden, aus, so lässt sich die „Stiftung“ zeitlich eingrenzen zwischen die Jahre 1545 und 1622, denn im Jahre 1545 führte Kurfürst Ottheinrich die „Neue Lehre“ in seinem Herrschaftsbereich ein, 1556 gab es in Iggelheim eine reformierte Pfarrei und 1622 begann die Rekatholisierung der [Kur-]Pfalz. Für diesen Zeitraum spricht auch der Hinweis im Pachtvertrag von 1687, in dem es heißt: „weilen es ein alte Verstiftung“ sei und die Weck „in der Kirche ausgetheilt werden sollen“.7 Auch der Name der Stifterin ist wohl nicht mehr zu ermitteln.8

Das älteste erhaltene Dokument ist der schon mehrfach erwähnte und in zwei Abschriften von 1783 erhaltene Pachtvertrag des Weckackers vom 23. März 16878a. In diesem Dokument ist mit Jacob Mayer der damalige Pächter genannt und es lässt sich damit auch belegen, dass Christoph Johannes nicht nur 1686 das Amt als Schultheiß inne hatte9. Das Dokument hat den nachstehenden Wortlaut:

 

Copia:

Lit: a:

 

Heut zu end gesetztem Dato Ist durch schultheißen gericht und gemeind, im Nahmen deroselben, mit Jacob Mayeren auch gemeindsMann alhier, wegen des sogenannten Weckackers, so auf ofentliche Steigung ausgethan, accordiret worden, auf acht Jahr lang, und ist Zehenden frey, als Von dem 23.ten Martj 1687· bis dahien 1695. hergegen verspricht obgedachter Mayer, besagter gemeind Jahrlichen darvon abzurichten und zu bezahlen, Nemlichen alle Jahr uf den ersten Sontag in der fasten, drey gulden Sechß Kreutzer, darbey Ist ihme Exprehsen Vorbehalten, so fern er säumig, wegen entrichtung derselben wäre, die jedes Jahrs nutzungen der gemeind heimgefallen seyn, dessen zur Urkund seynd dieser Zettel Zwey gleichlautende gemacht, wann etwann einer Verlohren, oder durch argelist hinterhalten wird, so soll dem noch bey Handen habenden geglaubt werden.

Iggelheim d 23ten Marty 1687. 

 

Nota, weilen es ein alte Verstiftung daß obige 3·fl· 6. xr an Weck ausgeleget, und den Kindern, am SommerTag, in der Kirchen ausgetheilt werden sollen

 

Geschehen im beyseyn unterzeigneten.

Christoph Johannes schultheiß.

J: Nicklaus Raßt. gerichtschreiber,

der pfleg Haßloch.

Jacob Weber, Voriger dorfmeister

Hch: Caspar Ullrich Schäfer dorfmeister

 

Jacob Mayers

beyZeigen

 

 
 

Bemerkenswert ist an diesem Pachtvertrag nicht nur, dass der Pächter Jacob Mayer ganz offensichtlich Analphabet war und statt mit seinem Namen mit einem stilisiert gemalten Baum unterzeichnete, sondern auch, dass der Acker durch die Gemeinde öffentlich für die Dauer von 8 Jahren versteigert wurde und dafür kein „Zehenden“, also keine Steuern oder sonstige Abgaben gezahlt werden mussten. Gezahlt werden musste die Pacht in Höhe von 3 Gulden und 6 Kreuzern jeweils am „ersten Sontag in der fasten“10, d.h. am Sonntag nach Aschermittwoch, dem Sonntag Invocavit10a. Bei der „Nota“, dem Hinweis auf die „alte Verstiftung“, fällt auf, dass hier von „Kindern“ und nicht von „Ledigen“ die Rede ist. Obwohl es zu dieser Zeit auch eine katholische Gemeinde in Iggelheim gab, kann mit der genannten  „Kirche“ nur die reformierte gemeint sein. Ihren Gottesdienst hielten die Katholiken im damaligen Untergeschoß des 1569 erbauten Rathauses und erst ab 1740 wurde hier eine neue katholische Kirche [die heutige Friedhofshalle] erbaut11. Auffällig ist allerdings der Hinweis auf den „SommerTag“. Zwar wurde der „Sommertag“ in der Pfalz, bei dem die Dorfkinder bei ihrem Heischegang u.a. Eier und Speck sammelten und auch das Sommertagsspiel, der „Kampf zwischen Sommer und Winter“ aufführten während der Fastenzeit gehalten12, aber ganz offensichtlich fiel er in Iggelheim schon sehr früh mit dem Sonntag Lätare, dem 4. Fastensonntag, zusammen, wie dies heute noch weitgehend in unserer Region der Fall ist. Dass die „Weckstiftung“ auf den Sonntag Lätare [nach dem aus Jesajas 66,10 - 11 genommenen Anfang der Messe: Laetare, Jerusalem „Freue dich, Jerusalem“] gelegt wurde hängt allerdings mit der kirchlichen Perikopenordnung zusammen, da an diesem Tag in der Messe die Geschichte von der wundersamen Brotvermehrung [Speisung der 5000; Mk 6,30 – 44; Joh 6,1 – 15] gelesen wurde. Die beiden sich zeitlich anschließenden Dokumente an den Pachtvertrag von 1687 belegen, dass die politische Gemeinde immer wieder die Kirche bei der Anschaffung der Wecken finanziell unterstützte. Zu nennen wäre hier zuerst die Abschrift einer Quittung des Pfarrers Carl Christoph Becker13 aus dem Jahre 171414 die besagt „daß Philipp Jacob Zittel dieß Jähriger Bürgermeister Zu einKauffung derjenigen wecken, welche auf den Sontag Lætare, unter die Jugend Jährlich pflegen ausgetheilet zu werden, im Nahmen der gemeind beygeleget habe 1 fl. 30 xr sage Ein gulden dreyßig Kreutzer, zu denen 4 fl. welche Von einem Acker, der Weck = Acker genannt, eingehen, aber wegen Menge der Jungen Leuthen nicht zulänglich wären, wird im Nahmen der Kirchen hiermit bescheinet, und quittiret.14a

Iggelheim. d. 10.ten Marty 1714.

Carl Christoph Becker

reformirter Pfarrer allda.“15

 

Das nächstfolgende Dokument ist ein „Verzeugnüß der dißmahligen Kinder zu Igelheim die so auf den 22ten Dag martzi16 des 1716.then Jahrs in der Kirchen vohr 1.xr. Weck bekommen haben“17. In einem Nachsatz bemerkt Pfarrer Becker: „Diese Weck werden Jährlich zahlt mit dem Zinß Von dem so genannten Weck acker, der denen Kirchen Vorstehern überliffert, und was nicht zulänglich18 ist, durch die BürgerMeister aus der Gemeind ergäntzt wird.“ Bei dem Verzeichnis handelt es sich allerdings um eine Liste der Hauhaltsvorstände und hinter ihren Namen ist die Zahl der zu erhaltenden Wecken eingetragen. Bei der Addition hat sich Pfarrer Becker aber verrechnet. Abgesehen davon, dass er 5 Haushaltungsvorstände, die zusammen hätten 10 Weck erhalten müssen, vielleicht auch tatsächlich erhalten haben, zwar mit dem Vermerk „folgende Nahmen sind vergesen gewesen“ listet, die Weckanzahl aber nicht mehr hinzu addiert, errechnete er in der 2 Spalte nur 107, statt 109 Weck und kommt „Summa summarum“ auf 300 statt auf die insgesamt 312 auszuteilenden Wecken.19 Die auf diesem Verzeichnis basierende Errechnung des Gewichtes von „800 Gramm“ für einen auszugebenden Weck20 beruht auf einem Irrtum. Abgesehen davon, dass ganz offensichtlich auch der Gemeinde- und Kirchenvorstand mit Wecken bedacht wurde, wie dies noch im „Register pro 1788“ belegt ist21, geht die aufgestellte Rechnung vom damaligen Kornpreis aus. Aber schon im Deutschen Wörterbuch verweisen die Brüder Grimm darauf, dass unter „weck […] ein gebäck aus weizenmehl gedacht“22 ist und nicht, wie bei dieser „Nachrechnung“ der Fall, aus dem damals weitaus verbreiteteren und billigeren Roggenmehl23, das man gemeinhin zum Backen des täglichen Brotes, aber nicht für „Wecken“ verwandt.

 

Aus den beiden Dokumenten von 1714 und 1716 scheint klar hervor zu gehen, dass die reformierte Kirchengemeinde Eigentümerin des „Weckackers“ ist, der Pachtertrag aber nie ausreichte, um die auszuteilenden Wecken zu finanzieren. Ein Eintrag im „Nahrungsbuch der Gemeinde“ von 1721 lässt die Sache in einem anderen Licht erscheinen:

 

Nahrung Zettul uber das gemeine guth allhier zu Iggelheim

an Liegenden gründen an Acker so eigen.

 

6 Viertel der gemeine Weckacker genannt,

B:

gibt kein

Schatzung

Im oberfeld in der Wiesel gewann,

obers. auf den Wiesel graben,

unterend an den Herrn weeg, obers. der Tiefen weeg24, unters. Mathes Bumel.

Extrahirt aus dem Iggelheimer Nahrungsbuch Vom Jahr

1721. geschehen Iggelheim

d 5. ten Xbr: 1783

A: Servatius Anwald25

 

Mit welchem Recht die Gemeinde diesen Eintrag in dem Verzeichnis ihrer Liegenschaften vornahm ist nicht zu klären, aber in dem Prozess von 1783, als es darum ging die Eigentumsrechte zwischen reformierter Kirche und politischer Gemeinde zu klären, war er ein anscheinend wichtiges Beweisstück.

Ganz offensichtlich gab es immer wieder Querelen zwischen der reformierten Kirchengemeinde und der politischen Gemeinde Iggelheim wegen der finanziell nicht ausreichend abgesicherten Weckverteilung, die dann zu dem Prozess von 1783 führten. Es ist anzunehmen, dass sich die Gemeinde beim zuständigen Fautheyamt in Haßloch, unter Vorlage verschiedener Dokumente, die auch das Eigentumsrecht an dem Weckacker belegen sollten, beschwerte, dass sie die Weckverteilung, die eigentlich eine Angelegenheit der reformierten Kirchengemeinde war, finanziell unterstützen musste. Das Fautheyamt ging von der Rechtmäßigkeit der Dokumente hinsichtlich der Eigentumsrechte aus und beauftragte mit Schreiben vom 14. November 1783 „Schultheiß Joseph Becker26. Anwald Anton Servatius. Gericht und Vorsteherr!“ den Acker zu versteigern. Das Schreiben lautete:

 

„Nach Beweiß eines Contracts von Anno 1687 hat Schultheiß und gericht damahlen den sogenannten Weckacker dem Jacob Mayer auf 8. Jahr, Jährl: pro 3.fl. 6.xr in bestand begeben, und Laut Vorfindlicher Quittung, hat die gemeind im Jahr 1714 /: weilen der Zinß von solchem Weckacker zu anschaffung deren Weck für die Jugend nicht hinreichend war:/ 1.fl. 30.xr zu geleget.

Nun weilen nicht allein aus diesem, sondern auch im alten Nahrungs Buch War Zu ersehen, daß die gemeind der eigenthümer Von solchem Weckacker ist; So hat man von gericht und Vorstandwegen für billig erkannt, gedachte 6. Viertel Weckacker unter nachfolgenden Conditionen bey Versammleter gemeind in offentliche Versteigung zu bringen.

 

1.  Haben Christoph Falck und Henerich Klamm solchen Weckacker gegen Lieferung deren Weck für die Jugend, und Zahlung des ausfallenden steigungs schillings noch zu genießen bis nach der Ernd 1784. wo aber alsdann der Steiger solchen acker antretten und benutzen darf.

2.  dauret solcher Bestand 10. Jahr, damit künftighin solcher Weckacker mit andern gemeinen acker Versteigt kann werden.

3.  Wird Vorbehalten, daß der Steiger die gewohnliche Weck für samtliche  Ledige Jugend, und Vorgesetzte frisch gebacken auf den Sontag Lætare zum austheilen in die allhießig reformirte Kirch schaffen und richtig liefern muß.

4.  den übrigen Steigungsschilling aber soll Steiger jeden Jahrs um gemelte Zeit an den gemeinen Empfänger entrichten.

5.  dieser Weckacker bleibt wie jeher Zehenden frey.

[. . .]

 

Weilen sich die gemeindsleuthe gegen diese Versteigung oponirt, und wollen daß nicht der überraht in die gemeind soll fallen, so hat man es geschehen lassen, daß alles auf Weck Versteigt und unter die Jugend soll ausgetheilet werden, wofern solches Ein Wohllöbles Fautheyamt wird genehmigen. oder der gemeind den übrigen raht wird zusprechen.

Nach Vielem Ausbiethen ist dieser Weckacker dem Nicolaus Brendel überlassen worden, weilen derselbe jeder Jugend und Vorstände nach altem Gebrauch anstatt 1.xr Vor Zwey Kreutzer Weck Jährl: auf bestimmte Zeit Liefern und bezahlen will.“27

Abgesehen davon, dass in diesem Schriftstück davon ausgegangen wird, „daß die gemeind der eigenthümer Von solchem Weckacker ist“, weist es, ausser der Nennung der Pächter, noch einige Besonderheiten auf. Erstmals ist unter Punkt 3 in dem Schreiben erwähnt, dass nicht nur die „samtliche Ledige Jugend“, sondern auch die „Vorgesetzte“, sprich Orts- und Kirchenvorsteher, den Weck „frisch gebacken auf den Sontag Lætare“ erhalten, eine Tatsache, die den Bestimmungen des Vermächtnisses nicht unbedingt entsprochen haben dürfte. Es konnte bislang nicht ermittelt werden, seit wann dies in Iggelheim üblich war, aber, wie sich später noch zeigen wird, galt dies zumindest auch noch im Jahre 1788. Von Bedeutung ist auch Punkt 4 dieses Schreibens, der besagt, dass der überzählige Pachtertrag, der nicht zur Anschaffung der Wecken benötigt wird, der Gemeinde zufallen soll, wogegen sich „die gemeindsleuthe“ allerdings „oponirt“ haben und darauf bestanden, dass der Pachtertrag vollständig in Form von Wecken zu bezahlen ist „und unter die Jugend soll ausgetheilet werden“. Daraus resultiert eine hochinteressante Kuriosität. Wenn die Wecken, wie üblich, ihre festgesetzten Preise und Gewichte hatten und es, wie z.B. 1716 hieß, dass die Jugend „für 1 Kreuzer Weck bekommen haben“, dann konnte es durchaus möglich sein, dass sich aus dem Pachtertrag weitaus mehr Wecken anschaffen ließen, als es ledige Einwohner in Iggelheim gab. Hieraus resultiert dann die Tatsache, dass nicht etwa größere Wecken gebacken wurden, wie dies irriger Weise vermutet wurde28, sondern vielmehr, dass pro Kopf mehr als ein Weck verteilt worden ist, wie es sich für das Jahr 1788 belegen lässt! Dass dies so gewesen ist bestätigt auch der Hinweis in obigem Schreiben, wenn es nämlich heißt, dass der neue Pächter Nicolaus Brendel „jeder Jugend und Vorstände nach altem Gebrauch anstatt 1.xr Vor Zwey Kreutzer Weck Jährl: […] Liefern […] will.“

 

Noch am Tage der Versteigerung, am 14. November 1783, erhob der reformierte Pfarrer Johann Nicolaus Siebein schriftlichen Einspruch beim Fautheyamt:

„Ich wundre mich gar sehr, warum man immer abseiten des Orts Vorstand an uns reformirten nekt – heut wurde auf einmal von demselben der bekannt zur ref: Kirche gehörige Wekaker in einer öffentlichen Versteigung aufgebotten. Dieses Verfahren ist schlechterdings unrecht – die Eigentliche beschaffenheit dieses Akers ist folgende: Vor undenklichen Jahren hat die ref: Kirche durch ein Vermächtnis von einer ledigen Weibsperson ein gewissen aker bekommen, von dessen iährlichen ertrag die Jugend auf den Sommertag zum andenken Ihrer Wohlthäterin durch Austheilung erforderlichen Wekken in ref: Kirche aufgemuntert werden soll – Zwey Männer auß unserer Gemeind haben bißher mit bewilligung d. Pfarrers u Presbyterii diese Wekk gestellt, und da bey gegenwärtigem höhrem preiß der güter man abseiten der Pfarrey entschlossen war, einen neuen bestand zu errichten, um nach befinden die austheilung der Wekk auch zu verstärken, so geschahe dieses von Schultheiß, Anwald u Gericht – Nun sehe ich gar nicht ein, was für eine Grille dieses unter nehmen angeßonnen hat – und warum vernünftige Männer um nichts und wieder nichts einen aufruhr erregen wollen – Ich versichre die folgen dieses hendels, wodurch man die Gerechtsamen der ref: Kirche abermalen kränken will, mögen äußerst unangenehm werden – und was bewog wohl den Anwald Servatius,  daß er mir auf meine Protestation gegen die Versteigung die trozige antwort ertheilte, Er hätte keinen respect für mir? Auch hierüber will ich mich für diesmal nicht weiter erklären, sondern –

Abseiten der Pfarrey ergehet an ein Wohllöbliches Fauthey Amt die rechtliche Bitte, diese von hiesigem Gericht vorgenommene Versteigung zu annulieren und die ref: Kirche  zur Verhinderung neuer Verdrislichkeiten und Unx(unleserliche Kopie) in dem Besizstand zu schüzen.“29

 

Am 17. November ging dann dieses Schreiben an die Gemeinde Iggelheim, „um sich in Zeit 8 Tag“, wie auf der Rückseite vermerkt ist, dazu Stellung zu nehmen. In einem Schreiben vom 5. Dezember konterte die Gemeinde:

 „Wohllöbliches Fauthey amt!

Wir bewundern uns gar sehr, warum man jmmer abseiten des hießigen reformirten Gdenpfarrers an uns orths Vorgestzten und hießiger gemeinde Nexet, Heut wurde auf einmahl uns von einem Wohllöblen Fauthey amt eine Klagschrift von gedlen Herrn pfarrer wegen der Versteigerung des sogenannten Weckackers zur Beantworthung zugeschicket. Diese Klag ist schlechterdings unrecht, – die eigentliche beschaffenheit dieses ackers soll folgende seyn: Von einem ledigen Weibsbild soll er Vermacht worden seyn, damit auf den Sommertag Weck unter die Jugend sollen ausgetheilet werden, dieß wollen wir hingestellt seyn lassen. daß aber dieser acker von einem zeitlichen reformirten pfarrer oder Kirchen vorstand jemahls soll Versteigert worden seyn, solches muß erwießen werden. – das gegentheil ist Lit: a:29a Zu ersehen, wie daß solcher acker von schultheiß, gerichtschreiber, und dorfmeister Anno 1687· Versteigt und begeben worden. In dem hießigen Nahrungsbuch von Anno 1721. pag: 124. ist dieser acker als ein gemeiner acker eingeschrieben, wie Lit: b: zu ersehen. Anno 1714· fehlte es an Wecken, und wurde Laut quittung wie Lit: c: zu ersehen, aus gemeinen Mitteln 1·fl·30 xr bezahlt. – gemäß diesen beweißthümern ist die  gemeind, und nicht blatterdings eine Reformirte Kirch der Herr von diesem acker. – Es meldet auch die Klagschrift, wie daß die Weck von undenklichen Jahren in der Reformirten Kirche seyen ausgetheilet worden, dieß hat man ja bis hierher noch nicht strittig gemacht. – Es verspricht auch der Gdepfarrer den bestand des Weckackers höher zu treiben; Welches dann schon geschehen und ihm dadurch eine Mühe gespahrt ist. Nun sehen wir gar nicht ein, warum ein Vernünftiger Herr um nichts, ja um gar nichts einen aufruhr erregen will, - Wir versicheren, daß die Folge dieses Handels, wodurch man die gerechtsammen des hießigen gerichts kräncken will, äußerst unangenehm fallen sollen, die billigste ursache hätte man dermahlen, den Jüngsthin gemachten Vertrag des 8·Jährigen grundbieren Zehendens zu annuliren, weilen das Ziehl nicht erreichet worden, so man Versprochen hat, nemlich friedlich ins Künftige mit der gemeind zu leben; Frieden und Ruhe zu bekommen, ware die Hauptquelle des wider alle Recht und Vorschriften gemachten Vergleichs, nun aber ist weder Fried noch Ruhe, also könnte man billig sagen, unsere gegebene Zusag soll auch widerrufen seyn. doch gewiß aber soll ins Künftige eine jede Parthey so den process Verspiehlt, seine Kosten tragen, und nicht mehr wie geschehen, aus gemeinden Mitteln bezahlet werden. Endlich äußeret sich Reformirter Gdepfarrer beleidigt zu seyn, wegen der unterstrichenen Redensart des hießigen anwalden – wann deme also geschehen wäre, wie wohl es falsch. – So wird sich doch ein Zeitlicher Herr Pfarrer nicht traumen lassen, Er habe schultz29b, anwald und gericht, ja der gantzen gemeind mehr zu befehlen als Ein Wohllöbles Fauthey amt, als von welchem man den befehl erhielte den acker zu versteigen, mithin konnte man ohne dessen befehl die protestation nicht æstimiren.

Abseithen des hießigen Vorstands ergehet an ein Wohllöbles Fauthey amt die redlichste bitte, um die oben angeführte beweißthümer unseren Herrn Kläger gefälligst bekannt zu machen, und denselben zur Ruhe zu verweißen. in Hoffnung geneigter willfahrung erstreben wir.

 

Einem Hochwohllöblichen Fauthey amt. gehorsamste

Joseph Becker Schultheiß

Anton Servatius anwald

Mathes Bummel des gerichts

Johannes Job des gerichts“30

 

Einig sind sich Pfarrer Siebein und die Gemeinde darin, dass es sich um „eine ledige Weibsperson31 handelt, die den Acker stiftete, „damit auf den Sommertag Weck unter die Jugend“ ausgeteilt werden und dass dieses in der reformierten Kirche geschah. Allerdings schweigt sich – im Gegensatz zu Siebein – die Gemeinde darüber aus, wem der Acker gestiftet wurde! Wenn Pfarrer Siebein schreibt, dass „zwey Männer“ aus der reformierten Kirchengemeinde die Wecken gestellt haben, so meinte er damit sicherlich die im ersten Schreiben der Gemeinde Iggelheim genannten Christoph Falck und Henerich Klamm. Ob diese auch gemeinsam den Acker gepachtet hatten ist nicht zu klären aber eher unwahrscheinlich. Anscheinend war die reformierte Kirchengemeinde auch nicht in der Lage, irgendwelche Pachtverträge vorzuweisen, womit in diesem Streit die politische Gemeinde natürlich die besseren Karten hatte. Trotzdem muss der Weckacker der Kirche gestiftet worden sein, denn hätte die Gemeinde Iggelheim von Anbeginn an den Acker als Eigentum in Besitz gehabt, dann wären deren Vertreter wohl kaum auf die Idee gekommen der Kirche Zuschüsse für die Beschaffung der Wecken zu gewähren, da dies dann nämlich ihre Angelegenheit gewesen wäre. Die Quittung aus dem Jahre 1714 und die Nachbemerkung von Pfarrer Becker in dem Verzeichnis von 1716 sprechen eindeutig für die reformierte Kirche als ursprüngliche Eigentümerin.

Ob die Eigentumsfrage durch ein weiteres Urteil des Fautheyamts endgültig geklärt wurde, lässt sich dokumentarisch nicht belegen. Allerdings wurden die Weck am Sonntag Lätare weiterhin in der reformierten Kirche ausgeteilt. Zudem scheint es so gewesen zu sein, dass ausschließlich die Kinder der reformierten Gemeinde diese Wecken bekamen.

Dies dürfte mit der Grund gewesen sein, warum dann im Jahre 1788 der damalige katholische Pfarrer Franz Anton Gall32 beim zuständigen Fautheyamt einen Prozeß gegen die Gemeinde Iggelheim führte. Dabei ging es um die Weck aus dieser Stiftung, die er auch für die Kinder der katholischen Gemeinde beanspruchte. Leider waren die dazugehörigen Akten nicht auffindbar. Nach Schneider lautete der damalige Urteilsspruch: „Da nach den Anlagen die Anschaffung der Wecke bloß aus Gemeindemitteln geschehe, über welche die Geistlichkeit nicht zu disponieren habe, so seien die Wecke für alle drei Konfessionen von den Gerichts- und  gemeinen Vorstehern auf dem Rathaus auszuteilen.“33 Dies bestätigt auch die Vorbemerkung auf einem „Register pro 1788“ wo es heißt: „Zu Aus Theilung deren von einem unseren gemeinen Aeckern |: der Weck – Acker genannt :|Herrürenden so genannten Sommer Weck, welch besag Wohl-Löbl. Fauthey Amtlichem protocol vom 27ten. Feb: L:J: nicht mehr in hiesiger reformirter Kirche sondern von Endes unterschriebenen als denen Wahren Eigenthümern auf dem dahiesigen RathHauß auf den gewöhnlichen Sontag Leetare aus getheilt werden sollen.“34

Wie schon im Register von 1716 sind auch hier nur die Haushaltungsvorstände und die Zahl der Wecken genannt, die sie für ihre Kinder bekommen haben. Doch geht aus diesem Register von 1788 hervor, dass es nicht nur die Kinder und die ledigen Einwohner Iggelheims waren, die mit einem Weck aus der Stiftung bedacht wurden, denn: „Nach hergebrachter observanz wurde die doppelte portion verreicht und zwar 1. dem Amts Vorstand“, sprich den Vertretern der Gemeinde, „2. dem Katholischen Kirchen vorstand“ und „3. dem reformirten Kirchen Vorstand“35. Seit wann und wie lange dies üblich war ist unbekannt. Dass hier der „Katholische Kirchen vorstand“ vor den Vertretern der reformierten Kirche aufgelistet werden ist natürlich eine Spitze gegen den reformierten Pfarrer Siebein. Zudem kamen einige Herren der Gemeinde recht gut dabei weg. So erhielt zum Beispiel der Anwalt Anton Servatius 4 Weck als „Amts Vorstand“, 4 Weck als „Katholischer Kirchen vorstand“ und 2 Weck bekam er für sein Kind. Doch bei aller Eigenennützigkeit der Vorstandschaften muss man ihnen doch hoch anrechnene, dass sie es auch druchaus verstanden im Sinne der Stifterin zu handeln. So findet sich in diesem Register von 1788 auch ein Hinweis auf ein gewaltiges Unwetter in Jahr zuvor und die durchaus kulante Handhabung des Vermächtnisses durch die Verwaltung:  „Da unsere ganze Gemarkung unterm 25 July vorigen Jahrs durch einen Haagel schlag total verwüstet worden, sohin auch dieser unser gemeiner Weck Acker davon nicht befreiet geblieben, als wurde denen besagten Ackers Beständer Nicolaus Brendel, zu vergütung seines diesfals erlittenen schaden die Helfft Weck zu Lieferen nachgelasen und also statt diesen 1270 nur 635 Weck gelieferet und aus getheilt. = 635 Stück

Iggelheim d. 2ten Mertz 1788. J.A. Sieber Schultheiß. Anton Servatius Anwaldt […]“36

Mit diesem letzten Prozeß von 1788 wurden jene Fakten geschaffen, welche dann über Jahrhunderte Bestand hatten und deren Geschichte dokumentiert ist. Geändert hat sich seither die Größe des Weckackers und der Wecken und die Zahl derer, welche am Sommertag einen Weck bekommen – nämlich nicht nur die Kinder von Iggelheim, sondern, Dank der Gemeinde, allen Kindern, die den Umzug verfolgen.

Bruno Hain

 

Anmerkungen

 

1 Zehfuß, Christian: Ortsgeschichte von Iggelheim

in: Speyergau-Sängerbund. Fest-Buch zum 2. Sängerfeste zu Iggelheim am Sonntag, 19. Juni 1904. Festgebender Verein: „Liederkranz“ Iggelheim. Speyer: Jäger 1904; S. 3 – 26

 

2 Wenz, Gottlieb: Beiträge zur Geschichte der Pflege Haßloch

Unveränderter Nachdruck 1985

Haßloch: Englram 1985; S. 219 ff.

 

2a So schreibt z.B. Theo Brendel, dass der Acker „von zwei ledigen Schwestern der Gemeinde überlassen worden sein (soll). [. . .] Da aber bei allen Hinweisen der reformierte Pfarrer erwähnt ist und auch die Wecke in der Kirche ausgeteilt wurden, so wurde dieser Acker der reformierten Kirche gestiftet.“

Ders.: Das Lätaregeschehen in Iggelheim.

In: 300 Jahre Weckstiftung 1687 – 1987. Böhl-Iggelheim 1987; S. 14 ff.

Heinz Schmitt bringt es sogar fertig die Stiftung und den Pachtvertrag in einen Topf zu werfen wenn er schreibt: „1687 vermachten zwei ledige Schwestern der Gemeinde einen Acker mit der Auflage, aus dem Pachtertrag alljährlich zu Lätare die ledigen Einwohner mit einem Weck zu beschenken.“ In einer Fußnote [„Anmerkung 86“] hat er darauf verwiesen, dass seine Informationen auf „einer Mitteilung der Gemeinde“ beruhen!

Ders.: Der Sommertag oder Stabaus

In: Keddigkeit, Jürgen (Hrsg.): Feste und Festbräuche in der Pfalz. Kaiserslautern: Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde 1992. [= Beiträge zur pfälzischen Volkskunde. Bd. 5]. S. 123 f.

Die Gleichsetzung des Jahres „1687“ mit der erfolgten „Stiftung“ findet sich aber auch in diversen „Grußworten“ der Lätare-Hefte [z.B. 1984, 1985], geistert so durch die Presse, und bei dem alljährlich stattfindenden „Lätare – Umzug“ trägt der Umzugswagen mit dem Motiv des „Weckvermächtnisses“ das Datum „1687“. [Photographischer Nachweis aus dem Jahre 2oo5 im Archiv des Verfassers. Unter den in verschiedenen Lätare-Heften {z.B.1986-88} reproduzierten Photos von Motivwagen des Umzuges findet sich keine Abbildung des „Vermächtnisses“.]

 

2b Reinhold Schneider schreibt in seinem Kapitel über „Lätare“ zwar von „dem erhaltenen Pachtvertrag vom 23. März 1687“, aber ganz offensichtlich kennt er ihn nicht, da er, wie Zehfuß und Wenz, nur die „Nota“ - und diese orthographisch falsch zitiert [in gleicher Weise wie Zehfuß a.a.O. und Wenz a.a.O.], bei seiner sonstigen Ausführlichkeit den Namen des Pächters Jacob Mayer nicht nennt und auch die Amtszeit des damaligen Schultheißen Christoph Johannes nur auf das Jahr 1686 datiert. Zudem sind ihm die beiden „Dorfmeister“ Jacob Weber und Heinrich Caspar Ullrich Schäfer unbekannt.

vgl.: Schneider, Reinhold: Iggelheim. Ein Dorf und seine Geschichte. Böhl-Iggelheim 1991. S. 407 ff. u. S. 286 f. [Verzeichnis „Die Schultheißen und Bürgermeister (Rechner) vor 1798“.]

 

3 Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz, Speyer

Abt. 44 Iggelheim; Nr. 184 [weiterhin zitiert als LKA-SP]

 

4 Thelemann, Karl Otto August: Iggelheim. Seine Geschichte und sein Jubelfest. Westheim 1856. S. 49 – 51

 

4a Zehfuß a.a.O.

 

4b Wenz a.a.O.

 

5 Johann Nicolaus Siebein [*1715 - V1785], reformierter Pfarrer in Iggelheim von 1746 – 1783.

 

6 Zu verdanken ist der „Fund“ Rudolf Köstlmaier und Rudi Schmitt, die im Zentralarchiv der Evangelischen Landeskirche der Pfalz in Speyer diese Akten aus ihrem „Dornröschenschlaf“ geholt haben.

s. dazu: (aib) „Wie aus zwei Schwestern ‚eine ledige Weibsperson’ wird. Wieder entdeckter Pachtvertrag des Iggelheimer Weckackers von 1687 räumt mit Stiftungssage auf“. In: Die Rheinpfalz [Ludwigshafen]; Nr. 162; Fr., 15.7.2005; S. 4

 

7 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr.184

 

8 Die in dem Theaterstück „’s Vermächtnis“ von Hain/Köstlmaier als Stifterin genannte Witwe des Michel Matthes könnte es gewesen sein. Die Iggelheimer Soldgeldliste vom 8. Dezember 1592 weist unter der Nr. 91 einen Michel Matthes mit einem Vermögen von 1600 fl. [Gulden] aus, wofür er 6 fl. Steuern zahlen musste. [in: Schneider: Iggelheim. a.a.O., S. 81 ff.]. In der Renovation der Gemeindegüter vom 26. April 1614 ist seine „Wittib“ u.a. bei folgendem Besitz erwähnt: „Fünf Morgen im Oberfeld, in der Eichschwalben, ziehen mit dem Oberend uf den hohen weg, mit dem unterend uf die Eychschwalb, beforcht oben Michel Matthesen Wittib, unten Engelhard Kirschner.“ [in: Schneider, Reinhold: Iggelheim. a.a.O.; S. 92 ff.] Dieser Besitz liegt im Bereich des Weckackers. Zudem erscheint ihr Name in der „Schatzungsliste der Gemeinde von 1617“, wo sie mit 10 fl. Abgaben veranschlagt wurde. [Nach einer Photokopie in Privatbesitz.] Ansonsten ist der Name „Matthes“ in den Geburts-, Tauf- und sonstigen erhaltenen Registern und Kirchenbüchern der damaligen Zeit nicht nachweisbar.

 

8a Bei weiteren Recherchen fand der Verfasser am 8.12.2005 im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz eine als „Copia Copia“ gekennzeichnete und gleich lautende zweite Abschrift [von anderer Hand] des Pachtvertrages.

LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr. 339

 

9 Schneider: Iggelheim. a.a.O. [S. 286] nennt für 1687 Philipp Zittel als Schultheiß.

 

10 Zehfuß a.a.O., Wenz a.a.O. und Schneider: Iggelheim a.a.O [S.407]  schreiben gleich lautend „am ersten Samstag in den Fasten“. In den seit 1974 erscheinenden Lätare-Programmheften kann man dagegen wahl- und wechselweise lesen, dass der Pachtzins „am ersten Samstag“ [z.B. 1977, S. 10; 1978, S. 3] oder „am ersten Sonntag in den Fasten“ [z.B. 1974, S. 4; 1979, S. 3] fällig gewesen sei und in der Ausgabe von 1981 hat man sogar die Wahl zwischen „Sonntag“ [S. 5] und „Samstag“ [S. 6]!

 

10a Über den Sonntag „Invocavit“, seine unterschiedlichen Benennungen und das Brauchtum an diesem Tag in der Pfalz vgl.:

Stoll, Liselotte: Der brauchtümliche Wortschatz im Überlieferungsbestand der Pfalz. Speyer 1966. [= Veröffentlichungen der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften. Bd. 51]; S. 46 f.

und die unter Anm. 12 angegebene Literatur.

 

11 vgl. dazu: Busch, Werner: Katholische Pfarrei Iggelheim 1781 – 1981. Festschrift zum 200. Jahrestag  der (Wieder-)Errichtung der Pfarrei Iggelheim am 1. Februar 1981. Böhl-Iggelheim 1981.

 

12 vgl. dazu: Seebach, Helmut: Sommertag, Ostern, Pfingsten, Johannistag. Annweiler-Queichhambach 1998. [= Alte Feste in der Pfalz.3]

 

Liungman, Waldemar: Traditionswanderungen Rhein – Jenissei. Eine Untersuchung über das Winter- und Todaustragen und einige hierhergehörige Bräuche. 2 Bde

Helsinki: Suomalainen Tiedeakatemia 1941/1945.

[= FF Communications. No 129 u. No 131]

 

Liungman, Waldemar: Der Kampf zwischen Sommer und Winter. Helsinki 1941. [= FF Communications. No 130]

 

13 Carl Christoph Becker [*1686 - V1739], Pfarrer in Iggelheim von 1713 – 1729.

 

14 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr.184

 

14a Geht man davon aus, dass, wie laut dem erhaltenen Verzeichniss von 1716, pro Weck ein Kreuzer bezahlt wurde, dann benötigte man für die Weck insgesamt 5 Gulden 30 Kreuzer. Dies entspräche einer Weckanzahl von 330 Stück.

 

15 Eine Photokopie, die orthographisch geringfügig von der sich im LKA-SP befindenden „Copia“ abweicht und auch von anderer Hand geschrieben wurde, deren Original im Gemeindearchiv sein soll, aber wohl auch zu dem Prozeß von 1783 gehören dürfte, liegt dem Verfasser vor.

Das Original, als „Copia Copia“ bezeichnet, fand sich ebenfalls im LKA-Sp; Abt. 44 Iggelheim; Nr.184

 

16 bei Schneider: Iggelheim a.a.O.; S. 411 f. fehlt das genaue Datum 22. März 1716. Zudem ist diese Liste sehr fehlerhaft wiedergegeben.

 

17 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr.184

vgl. Schneider: Iggelheim a.a.O.,  S. 411 f.

Bemerkenswert an diesem Verzeichnis von 1716 ist, dass an erster Stelle der „Herr Pfarrer“ steht, der 2 Weck bekommen haben soll.

Reinhold Schneider: „Die reformierten Pfarrer der Pfarrei Iggelheim von der Reformation bis zur Gegenwart“. 1989 [ms. verviefältigt; im Archiv des Verfassers] schreibt über Pfarrer Becker:

„Karl [sic!] Christoph Becker […] geboren 1686 in Neunkirchen (B) […] kam […] am 22. Februar 1713 als reformierter Pfarrer nach Iggelheim. Hier heiratete er am 19. November 1717 Rosina Katharina Krauß […] Seine Ehefrau gebar ihm in Iggelheim sechs Kinder: Karl Christoph, am 7.10.1718; Johann Peter, im Februar 1720 […] Pfarrer Becker hatte sein kirchliches Amt in Iggelheim bis 1729 inne. Von hier aus übernahm er die Pfarrei in Mutterstadt, wo er auch am 29. Januar 1739 starb.“ [o.S.]

 

18 Schneider: Iggelheim a.a.O.,  S. 412 liest „zugänglich“, Zehfuß a.a.O. und Wenz a.a.O. lesen richtig „zulänglich“, überliefern aber andere Schreibweisen dieser „Nachschrift“.

 

19 Schneider: Iggelheim a.a.O.,  S. 412, kommt durch fehlerhafte Abschriften und/oder Additionen auf 314 Weck.

 

20  Schneider: Iggelheim a.a.O.,  S. 409

 

21 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr. 350

 

22  Die Brüder Grimm schreiben unter dem Stichwort „Weck“:

„bedeutung und gebrauch

3) die weiteste verbreitung hat weck als bezeichnung eines backwerks gefunden

a) auch hier ist von der form auszugehen: weck ist zunächst ein brot in keilform, länglich-rund mit zwei spitzen, mittellateinisch auch als cuneus bezeichnet.

b) ganz überwiegend wird aber bei weck an ein gebäck aus weizenmehl gedacht. der ausdruck reicht weit zurück, da er allen westgermanischen sprachen gemeinsam ist, er kommt auszer in Deutschland und den Niederlanden auch in England vor: wig, feines weizenbrot in länglicher form, in zwei spitzen ausgehend, eine art kuchen. […] um 1300 begegnet das wort häufig sowohl in Ober- als in Niederdeutschland. damals musz das gebäck, das ursprünglich sich wol an bestimmte festtage knüpfte (wie der krapfen an fastnacht, die stolle an weihnachten) schon allgemeinere verbreitung gefunden haben. […] auch bei besonderen gelegenheiten im wirtschafts- und familienleben werden häufig wecken verlangt und gegeben. […]“

Grimm: Deutsches Wörterbuch. Bd.27; Sp. 2787 ff.

 

Vgl. dazu auch die Stichwörter: Korn, Roggen, Weizen

In: Grimm, Jacob u. Wilhelm: Deutsches Wörterbuch / Der digitale Grimm. Frankfurt a.M.: Zweitausendeins 2004

 

23 Mit „Korn“ wird hier gemeinhin der „Roggen“ bezeichnet.

Korn […] nur Sing. ‚Roggen (Secale cereale)’, bezeichnet sowohl den auf dem Halm stehenden Roggen wie auch die ausgedroschenen Körner des Roggens […]“

Pfälzisches Wörterbuch. Bd. IV; Sp. 482

 

Schon Hieronymus Bock in seinem „Kreutterbuch“ von 1587 und D. Jacobi Theodori Tabernaemontani: New vnd vollkommenlich Kreuterbuch [1691] weisen darauf hin, dass in unserer Region der Roggen als „Korn“ bezeichnet wird.

vgl.: Wilde, Julius: Die Pflanzennamen im Sprachschatze der Pfälzer. Neustadt 1923; S. 147

 

24 Erste nachweisbare urkundliche Erwähnung. Bei Theo Brendel nicht verzeichnet.

vgl.: ders.: Flurnamen

in: Schneider: Iggelheim a.a.O., S. 294 ff.

 

25 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr. 184

 

26 Joseph Becker, Schultheiß 1765 – 1783. Schneider: Iggelheim a.a.O., S. 286, datiert seine Amtszeit nur bis 1780.

 

27 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr. 184

 

28 Bei Schneider: Iggelheim. a.a.O., S. 409, ist davon die Rede, dass ein Weck „rund 800 Gramm gewogen hat.“

 

29 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr. 184. Unterstreichung im Original.

 

29a Lit:a: = Beilage a [Lit. = lat. Litera – Buchstabe]

 

29b Schultz = Schultheiß

 

30 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr. 184

 

31 Hervorhebung und Unterstreichung v. Verf.

 

32 Franz Anton Gall, katholischer Pfarrer; V 30.1.1798 Obergrumbach;

1787/88 – 1798 Pfarrer in Iggelheim

 

33 Schneider: Iggelheim a.a.O.; S. 407

 

34 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr. 350

 

35 LKA-SP; Abt. 44 Iggelheim; Nr. 350

 

36 Johann Adam Sieber, Schultheiß 1786 – 1793; Lt. Schneider: Iggelheim a.a.O.; S. 286 nur bis 1792 Schultheiß! Nachweis LA SP Best. F5 Nr. 277/278 

 

Pachtvertrag „Weckacker“ 1687 [Abschrift 1783]