"'S Vermächtnis" von Bruno Hain und Rudolf Köstlmeier begeistert über

600 Besucher in TSV-Halle

Es scheint gerade so, als würden die Iggelheimer Theaterleut besonders schwierige Mammut-Aufgaben am liebsten stemmen. Die neue Herkulesaufgabe mit dem Stück --"'s Vermächtnis" meistern alle Mitwirkenden vom Dreikäsehoch bis zum gestandenen Regisseur mit Bravour. Rund 600 Besucher pilgerten an drei Abenden in die TSV-Halle in Iggelheim, um das kostümträchtige Spektakel mit malerischer Nostalgiekulisse hautnah mitzuerleben. ...und alles drehte sich dabei um das Brötchen, das in unserem sonnendurchfluteten Landstrich seit ehedem Weck heißt. Dabei tauchten die Akteure in eine Materie ein, die immerhin 400 Jahre zurückliegt. Insgesamt agierten mehr als drei Dutzend Laienschauspieler auf der Bühne.


Zu den Fakten: alle in diesem -"Igglemer - Summerdaags-Stick" auf der Bühne agierenden Personen sind durch alte Dokumente belegt und historisch nachweisbar. Historisches aufzubereiten und spielbar zu machen ist eine hohe Kunst. Dies gelang dem Iggelheimer Schriftsteller und Sprachexperten Bruno Hain par excellence. Nach sauberen Recherchen von Co-Autor Rudolf Köstlmeier und dem Auffinden der Original-Dokumente im Speyerer Kirchenarchiv vor zwei Jahren machte sich Hain ans Werk.


Und wie. Das Stück spielt in den Jahren 1614, 1716, 1783 und 1788. Lebenszeiten und Amtszeiten der Handelnden waren bekannt, auch die Streitereien und Geschichten, Prozesse und Weckverzeichnisse. Man braucht schon immens viel Wissen, Formulierfreude, Fantasie und Einfühlungsvermögen, um spielbare Konversationen in ein Drehbuch zu bringen.


Bruno Hain hielt sich an die Regeln der Historie, pflegt eine ausgesprochen urwüchsige und vor allem unverfälschte Wortauswahl im Dialekt und sorgte mit der Deftigkeit der Alttagssprache sogar für die heiteren Schlaglichter. Für diese "Geistesakrobatik" gebührt dem Könner höchsten Respekt und Anerkennung. Derweil Hain als Stilvorlage das Manuskript lieferte, setzte Regisseur Norbert Stuck in mühevoller Probearbeit das Geschriebene um. "Norbert Stuck hat aus einem wilden Haufen eine schlagfertige Truppe an Akteuren geformt", gab Rudolf Köstlmeier als Allround-Organisator und Rollenverteiler zu Protokoll und Bürgermeister Reinhard Roos, der als Gemeindechef mithalf die große Aufgabe zur Lätarezeit zu vollbringen, lobte bei den Aufführungen verständlicherweise das gewaltige Engagement aller Mitwirkenden.


Eingeteilt war das Stuck in sechs verschiedene Bilder. Bezaubernd wirkte dabei die altehrwürdige Kulisse mit dem Bühnenbild von Franz NesseI und seinen Aufbau-Adjutanten Ernst Herrmann, Horst Kretner, Otto Lorenz und Hans Hahn. Für die tollen Kostüme sorgte in der Ausstattung die ehemalige Beigeordnete Rösel Kopansky, Frisuren und Schminke wurden von Silvia Calles bewerkstelligt, für die Licht- und Tontechnik sorgten Horst Lotterhoß und Willi Heiser, Koordinator zum TSV war dessen Ehrenvorsitzender Heinz Staffen und für die Planungen sorgte Ursula Ohmer in liebenswürdiger Weise.


Das Publikum lernte rasch mit der üblichen Sprache von einst anhand des Gespielten und der Info-Blätter umzugehen. Eine "Wittib" war eine Witwe und ein "Fauth" der heutige Landrat. Der Schultheiß als Bürgermeister ist wohl eher geläufig. Ob die Witwe des Michel Matthes tatsächlich die Stifterin des legendären Weckackers ist? Es könnte wohl so gewesen sein. Vieles deutet in den Unterlagen darauf hin. Es kommt sicher nicht alle Tage vor, dass außer bekannten Leuten des Dorfes auch Politiker und sogar Ortspfarrer bei Theaterstücken mitwirken. Die Landtagsabgeordnete Hannelore Klamm war ebenso dabei wie Beigeordneter Rainer Böhm und Pfarrer Stefan Czepel, der seine fränkische Mundart einbrachte.

 

Die Abläufe auf der Bühne waren äußerst abwechslungsreich. Alle gespielten Rollen zu beurteilen wäre des Guten zuviel. Fest steht indes, dass alle Laien gekonnt und textsicher auf den Brettern agierten, die zumindest für drei Abende in Iggelheim die Welt bedeuteten.


Es wirkten in kleinen und großen Rollen mit: Carmen Henschke, Markus Hendel, Sven Jandura, Andreas Scherer, Petra Beckmann, Rosalinde Hery, Roswitha Huber, Bettina Pister, Lea Hook, Antonio Izzo, Lena Kaufmann, Madeleine Kuhn, Paula und Victor Mas, Lea, Lukas und Anne Neumann, Marina Sauerhöfer, Jana Schmidt und Jan Schulz. Vor allem das Mitwirken der Kinder beim Schlagabtausch zwischen dem Sommer und dem Winter sorgte für erhellende und erheiternde Farbtupfer. Weiter spielten: Horst Kretner, Jürgen Hauser, Klaus Buchert, Franz Leiß, Ernst Herrmann, Karim Rückert, Herbert, Bohrer, Gerhard Saur, Heinz Bug, John Baumann und Gerd Bohrmann.